Neues Museum Schloss Sayn

Exhibition Schlossstraße 100, 56170 Bendorf, DE

Beflügelt starten wir mit Ihnen in die neue Saison und freuen uns, dass Sie zum ersten Mal zwei Märchenwelten mit einer Eintrittskarte erleben können: Fürst Alexander und Fürstin Gabriela zu Sayn-Wittgenstein laden Sie herzlich ein zu einem Besuch des Neuen Museums Schloss Sayn und des Gartens der Schmetterlinge.

Author: Neues Museum Schloss Sayn

50 Stations

1: Willkommen

Willkommen zu einem Rundgang durch das Neue Museum im Schloss Sayn.

Unseren Gästen bieten wir eine kostenlose Führung in 4 Sprachen. An 50 verschiedenen Stationen können Sie über QR-Codes mit Hilfe der „DigiWalk“ App auf Deutsch, Englisch, Französisch oder Italienisch Wissenswertes, Interessantes und Unterhaltendes abrufen – wahlweise mit Audios, Bildern, Videos und Texten, die Sie auch lesen können. Gesprochen wird von Stephanie Paatsch und Heike Kamp von 2friendly (deutsch), unseren Schwiegersöhnen Archie Akhavan-Kharazian (englisch) und Stefano Graf Hunyady (französisch) sowie unserer Schwiegertochter Erbprinzessin Priscilla (italienisch). Hinzu kommen viele Zitate, gesprochen von uns sowie unseren Töchtern Prinzessin Alexandra und Prinzessin Sofia und unseren Enkelkindern Prinz Ludovico und Comtesse Elisabetta Hunyady.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch und wünschen Ihnen einen unvergesslichen Aufenthalt.
Herzlichst
Gabriela und Alexander Sayn-Wittgenstein

Gleich zu Beginn Ihres Besuchs grüßt Sie die 101-jährige Fürstin Marianne von einem großen Foto. Ebenso herzlich heißt Sie ihr Sohn, der Schlossherr Fürst Alexander mit seiner Frau Fürstin Gabriela willkommen.
Vorbei an der Garderobe und Kaiser Wilhelms Zitat „Wirklich, es ist ein rechtes Märchenschloss“ fällt Ihr Blick auf die zwei Leitfiguren des Museums, unsere „Grandes Dames“ Fürstin Leonilla und Fürstin Marianne.
„Meine Ururgroßmutter Leonilla lebte knapp 102 Jahre, von 1816 bis 1918. Der Lebenslauf meiner Mutter begann unmittelbar danach. 1919 geboren und immer noch sehr rüstig, sollte auch sie Leonillas biblisches Alter bald erreichen.“, erklärt Fürst Alexander.
Beide werden Ihnen auf dem Rundweg durch zwei Stockwerke die Geschichte ihrer Jahrhunderte erzählen – vom Sieg über Napoleon, über Reichtum und sozialen Umbruch in Russland, die Rückkehr der Familie nach Sayn, zwei Weltkriege mit Zerstörung, Entbehrungen und Wiederaufbau, bis hin zu einem in Fotografien meisterhaft festgehaltenen Leben, von den 50er Jahren bis in die heutige Zeit.

2: Zeitschiene

Zunächst geht es vorbei an 1000 Jahren Familiengeschichte. Die Zeitschiene beginnt mit dem ersten bekannten Vorfahren in männlicher Linie, Graf Stephan von Sponheim. Sie erklärt, wer in dieser Zeit Spuren in der Geschichte hinterlassen hat.
Dazu zählen Heinrich der Große von Sayn, der Camerlengo Ludwig der Ältere mit seinen 23 Kindern und Feldmarschall Peter.
Aber eben auch bedeutende Fürstinnen, wie die unermesslich reiche Stefanie, die schöne Leonilla und die gefeierte Marianne.
Am Schluss trifft man die Sayner Fürstenfamilie im Sommer 2019 bei der Hochzeit des Sohnes Prinz Casimir mit Prinzessin Alana. Sie sehen das Fürstenpaar mit 6 ihrer 7 Kinder, deren Ehepartnern und mit neun Enkelkindern. Inzwischen kam mit Casimir und Alanas erstem Kind Salentin ein Zehntes zur Welt – und vielleicht werden es bald mehr.
Bei solchen Familienfeiern fehlt allen ihre viel zu früh verstorbene Tochter und Schwester Prinzessin Filippa, die 2001 bei einem Unfall ums Leben kam. Zur Erinnerung an sie wurde eine Stiftung ins Leben gerufen.

3: Baugeschichte des Schlosses

An der alten Bruchsteinmauer gegenüber erklären fünf Tafeln die 600jährige Baugeschichte des Schlosses, von seinen Anfängen als mittelalterliches Burghaus bis zur neugotischen Umgestaltung durch das Fürstenpaar Ludwig (hier durchgehend „Louis“ genannt) und Leonilla unter dem französischen Architekten Alphonse Girard, und von der Zerstörung im 2. Weltkrieg bis zum Wiederaufbau vor 25 Jahren durch Fürst Alexander und Fürstin Gabriela.
Interessant zu sehen ist auch die beachtliche Größe der oberhalb gelegenen Burg Sayn, die im 30jährigen Krieg von den Schweden zerstört und in den 1980er Jahren von dem Fürstenpaar wieder in Teilen restauriert und für den Tourismus erschlossen wurde.

4: Ordensvitrine und Filippas Engel

Die kleine Ordensvitrine zeigt einige der Auszeichnungen, die Fürstin Marianne und das heutige Fürstenpaar für soziales und kulturelles Wirken auf nationaler und europäischer Ebene erhalten durften.
„Die von unserer Familie ins Leben gerufene „Stiftung Filippas Engel“ erinnert an unsere mit 21 Jahren verunglückte Tochter Filippa“, erläutert Fürstin Gabriela. „Einige Monate nach ihrem Tod fanden wir ihre Tagebücher und veröffentlichten sie nach reiflicher Überlegung in Auszügen. Das Buch „Filippas Engel“ wurde zu einem Bestseller. Aus den Gewinnen konnte die Stiftung gegründet werden. Sie zeichnet junge Menschen aus, die sich im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich außergewöhnlich und meist ehrenamtlich engagieren.”

5: Das historische Treppenhaus

Wir erreichen das große Stucktreppenhaus, nach dem Wiederaufbau teils modern gestaltet, teils geschmückt mit restaurierten Stuckelementen der ehemaligen Ahnengalerie. Einen guten Eindruck von der früheren Pracht geben Ihnen die Abbildungen auf der Tafel gleich rechts unten.
Gegenüber sehen Sie Gemälde der Marschallin Antonia und des Feldmarschalls Peter Sayn-Wittgenstein von Carl Begas, sowie eine Parade-Pferdedecke des großen Feldherren.
Links neben dem Treppenaufgang zeigt ein weiteres Porträt Fürstin Marianne, gezeichnet von Birgit Knaus, Schwägerin des Rennfahrers Niki Lauda.
Heute dominiert das Treppenhaus ein riesiges Ahnenbild von Feldmarschall Peter – aber dazu mehr im 1. Stock.

6: SaynerZeit

Die heute 101jährige Fürstin Marianne ist eine großartige Fotografin. Seit ihrer frühen Jugend kennt man sie nur mit einer Kamera in der Hand. Sie fotografiert ganz impulsiv, nichts und niemand wird lange in Szene gesetzt. Sie drückt ab, wenn es ihr Spaß macht, und das immer im richtigen Augenblick, wie ihr Freund Gunter Sachs einmal sagte. Etwa 300.000mal in den letzten neun Jahrzehnten.
Besonders wertvoll sind die Schwarzweiß-Bilder ihrer SaynerZeit, der 20 Jahre, die sie mit ihrem Mann, Fürst Ludwig (auch „Udi“ genannt), in Sayn lebte, von 1942 bis 1962.
Fürstin Mariannes Porträts von Menschen, die mit ihr am Wiederaufbau arbeiteten, werden sogar mit der Fotokunst August Sanders verglichen. Nur war sie Amateurin, wenngleich mit viel Talent und einem Auge für ein gutes Bild.

7: Zerstörung und Wiederaufbau

An der Wand neben den Fenstern sehen Sie Bilder von der Zerstörung dieses Schlosses durch deutsche Einheiten, die vor Kriegsende in übergroßer Eile eine nahe Brücke sprengen sollten. Sie zeigen den Zustand von 1946, als Fürst Ludwig aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte und gemeinsam mit seiner Frau beschloss, hier einen Neuanfang zu wagen.
Ihr ältester Sohn Fürst Alexander hat sein Lieblingsbild ganz groß herstellen lassen: die Kartoffelernte. „Wir lebten in den ersten Jahren nach dem Krieg von einer kleinen Landwirtschaft, und alle halfen mit. Mein Vater „Udi“ kniet links neben einem Korb voller Kartoffeln, meine älteste Schwester Wonni sitzt auf dem Ackergaul, die kleine Li in den Armen des heimatvertriebenen Onkels „Oschatz“ – und ich mittendrin, zwischen Haushaltshilfe und Erntehelfern. Eine herrliche Zeit!“

8: Gesellschaftliches Leben

Genauso herrlich war für das junge Paar das allmählich wieder erblühende gesellschaftliche Leben, in Bonn mit befreundeten Diplomaten, im Rheingau und zunehmend auch in ihrem neuen Landhaus in Sayn. Man war glücklich, den Krieg überlebt zu haben und sich mit Verwandten und Freunden aus aller Welt wieder treffen zu können.
Der Sport, die Jagd und das Feiern spielte dabei eine große Rolle – doch mehr dazu später auf unserem Rundgang.
„Wir Kinder kamen, wie es damals in unserer Familie so üblich war, schon bald nach Abschluss der „Volksschule“ in Internate“, erzählt Fürst Alexander. „Umso größer war die Freude, mit den Eltern in den Ferien Ski zu laufen oder in den Bergen zu wandern.
Das alles änderte sich dramatisch, als mein Vater im Januar 1962 hier in Sayn auf dem Weg zum Briefkasten von einem schleudernden LKW-Anhänger tödlich getroffen wurde. Eine schreckliche Katastrophe, aber es musste für meine Mutter und uns fünf Kinder irgendwie weitergehen.“

9: Die Gastgeberin

Nach dem Tod ihres Mannes kehrte Fürstin Marianne in ihre österreichische Heimat zurück, nach Fuschl am See, wo sie gemeinsam mit ihm ein Jagdhaus gebaut hatte. Eingerichtet mit alten Bauernmöbeln, gemütlichen Kachelöfen und reichlich Zimmern wurde es ihre neue Heimat und für die fünf Kinder ein geliebtes Feriendomizil.
Während der Salzburger Festspiele folgten große Künstler, erfolgreiche Sportler und wichtige Politiker den Einladungen einer attraktiven, unterhaltenden und interessierten Gastgeberin.
Ihr Haus wurde zu einem beliebten Treffpunkt. Jeden Sonntag gab es „Mannis" legendäre Mittagessen, oftmals für 80 oder 100 Gäste.
Fürstin Gabriela meint: „Ihr Wildgulasch, der Zwetschgenfleck und die mit buntem Leinen und Wiesenblumen geschmückten Biertische wurden berühmt. Wenn es das Wetter erlaubte, saß man draußen im Garten vor dem Stadl. Alles war home made und low cost, das war einmalig und begeisterte sie, die sonst Luxus gewöhnte High Society.“

10: Der Bauernschrank

Den alten Bauernschrank in der Mitte des Raums hat Fürstin Gabriela ganz wunderbar dem Original im Fuschler Schreibzimmer ihrer Schwiegermutter nachempfunden. „Er spiegelt ihr Leben wider, ihre Rolle als Oberhaupt einer großen Familie genauso wie ihre Freude am Leben, an interessanten Menschen und Reisen um die Welt.
Die linke Hälfte ist ihrer großen Nachkommenschaft vorbehalten. Hier finden sich Fotos von Hochzeiten der Kinder und Enkel neben Bildern der kleinen Urenkel und Ururenkel. Dazwischen aber auch Erinnerungen an ihr Zusammentreffen mit Andy Warhol, Salvador Dali oder Jacky Stewart.
Rechts sehen wir ihre Eltern und ihre acht Geschwister zusammen mit vielerlei Berühmtheiten, die sie in Fuschl bewirtet oder auf Reisen um die Welt besucht hatte. Hier trifft man auf Siegfried und Roy genauso wie auf Prince Charles, oder auf Gunter Sachs, Curd Jürgens und den Hl. Vater. Aber auch ihre Nachbar-Bauern im Tal hatte sie in ihr Herz geschlossen und hier verewigt.
Ganz unten im Schrank liegen dann ihre Werke, die inzwischen berühmten Fotobücher, von „Mamarazza“ bis zu „Stars and Sportscars“, und von „SaynerZeit“ bis zu „ManniFeste“.“

11: Mamarazza, die erfolgreiche Fotografin

„Mamarazza", wie Caroline von Monaco sie getauft hatte, fotografierte sie alle, ihre Gäste und Freunde, auch abends nach den Festspielen, wenn in Schloss Kleßheim, in Leopoldskron oder im Goldenen Hirsch weiter gefeiert wurde.
Und schon wenige Tage später klebten die Bilder in ihren roten Alben, datiert und beschriftet. Genauso ordentlich verwahrte sie die Negative in Karteikästen, es sind einige Hunderttausend.
Eine Zeit lang verdiente Fürstin Marianne ihren Lebensunterhalt mit der Fotografie. Sie begleitete ihren Freund Hans-Dietrich Genscher auf politischen Reisen, schoss in Bora Bora für die "Bunte" Titelbilder von Lilli Palmer oder besuchte Yves Saint Laurent für "Ambiente" in Marokko.
Schließlich wurde sie von Beate Wedekind überredet zu einer ersten Ausstellung in Berlin. Viele folgten, in Salzburg, Wien, Zürich, München, London und New York. Steidl druckte den Fotoband „Mamarazza" in der Art ihrer Alben, teNeues veröffentlichte die „Sayn-Wittgenstein Collection" mit Andy Warhol und Ira Fürstenberg auf dem Titel, und Polzer verlegte „SaynerZeit" und „ManniFeste". „Stars & Sportscars“ von Delius Klasing wurde Motorsportbuch des Jahres.
Am 9. Dezember 2019, ihrem 100. Geburtstag, wurde die immer noch hochelegante Fürstin gefeiert, als Grande Dame der Salzburger Festspiele, als Mamarazza der Fotografie und schließlich auch als 5-fache Mutter, 20-fache Großmutter, 31-fache Urgroßmutter und 3-fache Ururgroßmutter.
Dass sie auch gut und gerne ihre Nachkommenschaft porträtierte, erfahren wir im Raum nebenan.

12: Einmal Prinz und Prinzessin „Sayn“

Nun kommen wir in das "Kinderreich", konzipiert von der Agentur 2friendly, Stephanie Paatsch und Heike Kamp, die die Besucher des Schlosses schon seit Jahren mit ihren Themenführungen, Theaterstücken und einem zauberhaften Kinderbuch begeistert haben.
Lassen wir die beiden ihr Konzept selbst erläutern: „Im Kinderreich haben wir bewusst auf moderne Medien verzichtet. Unser Motto lautet: „Phantasie ist unser Steckenpferd“. Und so dürfen die kleinen und auch die großen Gäste in die zauberhaften Kostüme der Modeschöpferin Natascha Klein schlüpfen. Fein ausstaffiert mit Krönchen, Pelerinen und schicken Uniformen wird das Erinnerungsfoto auf dem „Thron“ zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Viel erleben kann man auch mit unserem fröhlichen Schloss-Pudel Disco. Niemand kann ihm ausreden, dass er trotz seiner bauschigen Mähne kein echter Sayner Löwe ist. Er thront mit seinem Samtkörbchen standesgemäß auf dem Podest und wartet darauf, die Besucher mit seinen lustigen Geschichten durch die Schlossräume zu führen. Begleitet wird er dabei von seiner besten Freundin „Sugar“, der kleinen Terrier-Hündin von Fürst Alexander“.

13: Kinderporträts

„Die Aufnahmen der Kinder stammen alle von meiner Mutter, “ erklärt Fürst Alexander.
„Herrliche Schnappschüsse meiner jüngeren Geschwister Peter im Schweinestall und Teresa am Schminktisch sowie beide unter der Höhensonne.
Natürlich sind die Porträts unserer sieben Kinder auch von ihr. Sie hat sie selbst in ihrer Dunkelkammer in Fuschl abgezogen und natürlich mit Stolz ihren Freunden gezeigt. So mancher Auftrag, der meine Mutter wieder hinaus in die weite Welt brachte, entstand daraus.
Bitte schauen Sie nicht auf mein Schulzeugnis, das hier auch ausgestellt ist. Nur peinlich!“
Nach dem Motto „Einmal Prinz und Prinzessin „Sayn““ werden unsere Kleinen jetzt von dem Pagen Peter in seiner grünen Bluse und von dem „Löwen“ Disco auf den Weg in das obere Stockwerk geschickt.

14: Fürst Peter in Paris

Eben konnten Sie den jungen Fürsten Peter zu Sayn-Wittgenstein noch als hübschen Pagen im Kinderreich sehen, jetzt stehen Sie im Foyer vor ihm, dem "reichsten Junggesellen Europas", in weißer Uniform als russischer Militärattaché in Paris. Er hatte von seiner Mutter Stefanie, einer geborenen Prinzessin Radziwill, etwa 1.2 Millionen Hektar Land geerbt, reichlich bestückt mit Städten und Dörfern, Palästen und Schlössern. Peter verliebte sich unsterblich, aber nicht standesgemäß, in die Schauspielerin Rosalie Léon, er heiratete sie und schenkte ihr zwei Schlösser in der Bretagne. Doch leider starben die beiden kinderlos. Der Rest seines Vermögens fiel an seine Schwester Marie.
Nun geht es nach oben, per Treppe oder Aufzug, zu Peters Großvater, dem Feldmarschall.

15: Das Treppenhaus heute

Als Erstes fällt der Blick auf die Marmorbüste des Feldmarschalls Peter Sayn-Wittgenstein von Samuel Halberg. Vor Jahren stürzte sie vom Sockel und Peter verlor dabei die Nasenspitze.
Der filigrane neogotische Stuck, der das große Treppenhaus prägt, war nach der Kriegszerstörung des Schlosses Wind und Wetter ausgesetzt und ebenfalls ziemlich beschädigt. Er konnte auf diesem Stockwerk meisterhaft restauriert werden, während die Fragmente oberhalb und unterhalb an die Beschädigung erinnern, die bei Beginn des Wiederaufbaus 1995 vorgefunden wurden.
Ursprünglich war das Treppenhaus mit seiner zweiläufigen, gusseisernen Treppe eine Ahnengalerie mit großformatigen Abbildungen der saynischen Vorfahren und feuervergoldeten Wandlampen.
Vorbei an der Büste der Marschallin Antonia, in Marmor gehauen von dem berühmten Christian Daniel Rauch, geht es weiter in Richtung Kapellentrakt.

16: Ein mächtiges Porträt des Feldmarschalls

Ein moderner Steg ermöglicht den Besuchern mit Gehbehinderung den hinteren Teil des Gebäudes barrierefrei zu erreichen, bildet aber auch gleichzeitig eine perfekte Tribüne für den Blick auf das größte und familiengeschichtlich wichtigste Gemälde im Schloss.
Gemalt von Franz Krüger, sieht man den russischen Feldmarschall Peter als gefeierten Helden, als den Retter von Sankt Petersburg und zeitweise Oberkommandierenden der alliierten Armeen in 1813. Ludwig Adolf Peter Graf von Sayn-Wittgenstein-Berleburg in Ludwigsburg und Carlsburg, wie er mit vollem Namen hieß, machte in der russischen Armee Karriere und erwarb großen Ruhm in den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Der Preußische König erhob ihn aus Dankbarkeit für die Befreiung Preußens in den Fürstenstand, Zar Nikolaus I. ernannte ihn zum Feldmarschall.

17: Ossip der Held

Der Feldmarschall wäre nie zu Ruhm und Ehre gekommen, wenn es in einer Winternacht des Jahres 1771 nicht den tapferen Ossip, einen kleinwüchsigen Diener der Familie gegeben hätte. Graf Christian Ludwig, der Vater des späteren Feldmarschalls Peter kämpfte im Kaukasus, als sein Haus bei Moskau niederbrannte, just in dem Augenblick, als seine Frau Amalia Ludovika eine Tochter zur Welt gebracht hatte.
Ossip rettete den kleinen Peter aus den Flammen, genauso wie die neugeborene Amelie. Ihre Mutter jedoch fand den Tod.
Fürstin Charlotte von Lieven, die Frau des Provinzgouverneurs, nahm die Kinder in ihre Obhut und sorgte später dafür, dass Peter in Sankt Petersburg in das Pagencorps des Zaren aufgenommen wurde. Amelie heiratete später den Grafen Keller, mit dem sie viele Nachkommen hatte, darunter Fürstin Leonilla, von der wir gleich mehr hören werden.

18: Der neue Wintergarten

Vor dem Wiederaufbau war hier ein schmaler Hinterhof, der die Feuchtigkeit des angrenzenden Burgbergs vom Schlossgebäude abhalten sollte. Beim Wiederaufbau vor 25 Jahren ließen die Architekten Bingenheimer, Hädler & Schmilinsky aus Darmstadt den freien Raum mit einem Glasdach überdecken, zogen eine Decke ein und schufen damit einen Durchgangsraum zur Schlosskapelle, ideal geeignet zum Aufstellen großer, nicht winterfester Pflanzen.
Wintergärten haben Tradition in den Häusern des Fürstenhauses. Hier in Sayn gab es einen „Palmengarten“, entworfen von Carl Ludwig Althans, dem Architekten der einmalig schönen Gießhalle der Sayner Hütte. Noch bedeutender war Karl Friedrich Schinkels Wintergarten im Schloss Werki in Litauen. Der große preußische Baumeister sollte ursprünglich den maroden mittleren Bau der weitläufigen Dreiflügel-Anlage für Fürst Louis rekonstruieren. Stattdessen schlug er vor, ihn abzutragen um damit den Blick in den Park zu öffnen. An den linken Wohnflügel fügte er schließlich einen großen Wintergarten an, der unmittelbar mit dem Studio der Fürstin Leonilla verbunden war.

19: Eine moderne Dampfmaschine zur Speisung der Brunnen

An eine weitere technische Meisterleistung erinnert ein großes Eisenrohr, das recht geheimnisvoll aus der alten Bruchsteinwand herausragt. Alphonse F. J. Girard, der Architekt des Umbaus 1848-50 ließ das Regenwasser von den Dächern des Schlosses in eine Zisterne ableiten. Eine mächtige Dampfmaschine pumpte das Wasser von dort in ein unterirdisches Bassin auf dem Burgberg. Die Springbrunnen des Parks und eine große Fontäne im Schlossweiher konnten so artesisch ohne weitere Pumpen gespeist werden.

20: Die Anlage des Schlossparks

Auch auf dem Gelände des heutigen Schlossparks gab es bereits in der Barockzeit neben einem formalen, eingemauerten Garten ein Gebäude, das als Orangerie und Voliere diente, etwa dort, wo heute der Garten der Schmetterlinge diese Tradition fortsetzt.
Bei der Umplanung des Parks in einen Englischen Landschaftsgarten durch den Sankt Petersburger Gartenarchitekten Karl-Friedrich Thelemann wurde das Aufbewahren der nicht winterfesten Gewächse in das Ananashaus der benachbarten Schlossgärtnerei verlegt.

21: Von Bäumen zu Stammbäumen

Bevor wir diesen Bereich verlassen, finden wir einen großen Stammbaum, der die Verästelung der Familie über knapp 1000 Jahre von Graf Stephan I. von Sponheim bis ins Jahr 2000 darstellt. Man erkennt das Einfließen der Grafen von Sayn und von Wittgenstein ebenso wie das sich Verzweigen in die Berleburger, Hohensteiner und Sayner Linien des Gesamthauses.
Daneben sieht man auch weitere Stammtafeln der Familie, die auf die Verwandtschaft mit regierenden Häusern aus verschiedenen Ländern Europas hinweisen. Schließlich liefert eine Tafel Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Adel heute. Hier gibt Fürst Alexander auch die Antwort, wie er angesprochen werden möchte: "Anstelle von 'Sehr geehrter Herr Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn' bevorzuge ich ganz einfach 'Lieber Fürst Alexander'!"

22. Der russische Feldmarschall Peter

Sie betreten jetzt einen neu geschaffenen Raum, die Ahnengalerie. Hier werden Ihnen die drei wichtigsten Persönlichkeiten der fürstlichen Familie des 19. Jahrhunderts etwas ausführlicher vorgestellt. Sie kennen sie schon, den Feldmarschall Peter, seinen ältesten Sohn Fürst Louis, und Fürstin Leonilla, gemalt von Franz X. Winterhalter. Die Porträts, alle in Familienbesitz, sind hier sehr dekorativ auf Acryl gedruckt.
Peters Karriere im russischen Militär war steil. Den Höhepunkt seines Ruhms erreichte er 1812-14 im Krieg gegen Napoleon. Mit seinem unabhängig agierenden Korps gelang es ihm, die Franzosen von Sankt Petersburg fernzuhalten. Nach Marschall Kutusows Tod wurde ihm für kurze Zeit sogar das Oberkommando der vereinten russischen und preußischen Truppen übertragen.

23: Das Weingut in Kamenka

Dem Feldmarschall gegenüber sieht man Abbildungen seines Weinguts Kamenka in der von Moldawien abgespaltenen Sowjetrepublik Transnistrien. Peter hatte das 6.000 ha große Gut mit Dotationen erworben, die er als erfolgreicher Feldherr erhielt. Um es zu bewirtschaften, siedelte er Hunderte von Kolonisten an, die von Rhein und Mosel kamen und denen er Häuser und eine Kirche baute. Der Wein lagerte in Kellern mit einer Gesamtlänge von 120 km und zählte bald zu den Besten des Russischen Reiches.

24: Das Fürstendiplom

In einer Vitrine zeigen wir das Fürstendiplom von 1834. Als Zeichen der Dankbarkeit für die Befreiung Preußens vom Joch Napoleons wurde Graf Peter durch den Preußischen König Friedrich Wilhelm III. in den Fürstenstand erhoben. Verbunden damit war die Berechtigung für ihn und seine Nachkommen das Prädikat „Durchlaucht" zu führen.
Zar Nikolaus I. erklärte "dem Retter von Sankt Petersburg" seine Anerkennung, nachdem er ihn bereits 1826 zum Feldmarschall ernannt hatte.

25: Louis und Stefanie

Louis, der älteste Sohn des Feldmarschalls, ehelichte 1828 auf Vermittlung des Zaren Prinzessin Stefanie Radziwill, die Erbin der „Radziwillsche Masse". Auf ihren zahlreichen Gütern im vormaligen Polen lebten rund 100.000 Leibeigene. Louis, der dem liberalen Geheimbund der „Dekabristen" nahestand, bemühte sich mit Stefanie um soziale Reformen, Abschaffung der Leibeigenschaft und Schulbildung.
Doch bereits nach vier Ehejahren verstarb Stefanie. Sie hinterließ zwei Kinder, den hübschen Pagen Peter und die kleine Marie.
Sie sehen Marie als alte Dame gegen Ende der Galerie. Sie heiratete den späteren deutschen Reichskanzler Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst. Ihre Tochter Stephanie, verheiratet mit dem Grafen Arthur von Schönborn-Wiesentheid, ist die Urgroßmutter der heutigen Sayner Fürstin Gabriela.

26: Louis heiratet Leonilla

Schon zwei Jahre nach Stefanies Tod heiratete Louis ein 2. Mal, wieder auf Vermittlung des Zaren, die gerade 18jährige Fürstin Leonilla Bariatinsky, ehemaliges Hoffräulein der Zarin. Sie war für ihre Schönheit aber auch Klugheit bekannt. Bald reiste das Fürstenpaar quer durch Europa, traf Künstler, ließ sich porträtieren und erwarb eine bedeutende Sammlung zeitgenössischer Kunst. Das Verhältnis zu dem autokratischen Zar Nikolaus I. verschlechterte sich wegen Louis liberaler Gesinnung jedoch zusehends. Es war an der Zeit, nach Deutschland zurückzukehren.

27: Von Russland nach Sayn

In Deutschland bemühte sich Louis einen großen, seinem Reichtum entsprechenden Besitz zu erwerben. Schließlich gelang es, sich in Sayn niederzulassen, dort wo die Familie ihren Ursprung hatte und bis zum Aussterben der Sayner Linie 1604 lebte. Der Koblenzer Landrat Graf Clemens Boos von Waldeck verkaufte ihm sein dortiges Rittergut mit den ehemaligen Burghäusern der Reifenberg und Stein. König Friedrich Wilhelm IV. schenkte den Heimkehrern die Ruine ihrer Stammburg.
Der Pariser Louvre-Architekt Girard erhielt den Auftrag, das alte Burghaus in eine moderne fürstliche Residenz umzubauen. Die intensive Nutzung von Gusseisen für Treppen, Brunnen und, ganz einmalig, auch Fenstergewände verschaffte der im Revolutionsjahr 1848 unterbeschäftigten Sayner Hütte volle Auftragsbücher und unzähligen Familien über Jahre einen guten Verdienst.
Fürstin Leonilla gründete mit Dernbacher Schwestern das Leonilla-Stift als Ort der Betreuung für Kinder, Kranke und Alte.

28: Tischkultur

Jetzt erreichen wir den Blauen Saal, den größten Raum unseres Neuen Museums. Hier möchten wir etwas über die Tischkultur im 19. Jahrhundert erzählen und das unterschiedliche Geschirr und Besteck zeigen, das je nach Anlass verwendet wurde und auch heute noch bei den Hochzeiten der fürstlichen Familie zum Einsatz kommt.
Ein Diener bewacht die Geschirrwand mit dem schönsten Service, den „goldenen Feuillet“-Tellern aus Paris, die bis in diese Tage bei festlichen Essen mit bis zu 100 Personen verwendet werden. Das Buffet unterhalb verwahrt verschiedene andere Geschirre, darunter blaue Wedgewood Keramik, sehr schön, aber zu fragil zum Benutzen. Daneben befindet sich auch ein Teil der Bibliothek mit einer geschlossenen Reihe Genealogischer Handbücher, „Gotha“ genannt, seit 1760.
Auf der langen Tafel sehen Sie in Bildern auf einer Acrylplatte, wie der Tisch gedeckt wurde, je nach Anlass etwas aufwendiger. Hier können die Gästeführerinnen den Besuchern etwas über alte Rezepte erzählen, oder sie zeigen ihnen, wie der Tisch auf alte Weise gedeckt wird, so wie auch heute noch im Schloss bei festlichen Anlässen. Am „Katzentisch“ haben Prinz Casimir und Prinzessin Alana für ihren Pudel Disco aufgedeckt.

29: Tafelsilber und alte Gläser

Die Silber-Vitrine zeigt Besteck und Platten von Storr & Mortimer aus der Zeit um 1835 und um wenige Jahre jüngeres Vermeil-Dessertbesteck von Mortimer & Hunt. Die großen Londoner Silberschmiede unterhielten damals Verkaufsstellen an den wichtigen europäischen Höfen, darunter auch in Sankt Petersburg. Ebenso wie das Geschirr wurde auch das Tafelsilber auf Bestellung gefertigt und mit dem Wappen, dem Sayner Löwen oder den Initialen Fürst Louis versehen.
Wertvoll geblasene Gläser und Karaffen zeigt die Vitrine nebenan. An den unterschiedlich gravierten Initialen und Kronen lassen sich die Gläser verschiedenen Vorfahren des 18. und 19. Jahrhunderts zuordnen.
Ein Fach tiefer beeindrucken zwei knapp 200 Jahre alte Menagen aus Kristallglas und darunter das Reise-Toilettegeschirr von Fürstin Leonilla.

30: Leonillas Beauty Case

Die Mahagonitruhe im untersten Fach ist etwas ganz besonders Faszinierendes. Sie enthält das Reise-Toilettegeschirr der Fürstin Leonilla. Zu dem Necessaire zählen 32 Einzelteile, die zur Pflege einer viel reisenden Dame von Nutzen waren.
Hier finden sich Flacons für verschiedene Essenzen, Gesichtswasser und Parfüm, in denen der Lieblingsduft von Leonilla bis heute konserviert ist, Dosen für Puder, Pasten, Cremes oder Wangenrot, Seifenschalen, Schere und Nähutensilien, dazu ein Waschbecken mit Wasserkanne, Kerzenhalter und vieles mehr aus feinstem Silber und Kristallglas. Alle Utensilien sind mit Leonillas Monogramm graviert und ganz raffiniert auf engstem Raum untergebracht.
Für dieses Meisterwerk verantwortlich zeichnet der Londoner Silberschmied Nicholls & Plincke, der damals in Sankt Petersburg für die feine Gesellschaft das Magasin Anglais betrieb.

31: Brautkleider der Prinzessinnen

Sichtlich zufrieden betrachtet Fürstin Marianne auf einem Foto des Münchner Porträtfotografen Sahm die Szenerie des Blauen Saals.
Sie blickt über die gedeckte Tafel auf die Kleider, die Prinzessin Alana zu ihrer Trauung mit Prinz Casimir am 1. Juni 2019 in Sayn trug, das von dem Spanischen Couturier Jorge Acuña entworfene Hochzeitskleid und ein Abendkleid, mit dem sie die 250 Gäste zum festlichen Diner in der historischen Gießhalle der Sayner Hütte beeindruckte.
Fürst Alexander schwärmt: „Alana sah wunderschön aus und wir freuen uns, dass wir ihre Kleider hier zeigen dürfen.
Ein ganz anderes, ebenso beeindruckendes Brautkleid, ist das meiner Schwester Yvonne. 1962 hat sie es zu ihrer Hochzeit mit Graf Alfons Coreth getragen. Es begeisterte mit seiner langen, mit zahllosen Organza-Blüten besetzten Schleppe nicht nur den festlich gekleideten Schlossdiener.“
Jetzt führt Sie der Weg in die nächsten Räume, vorbei an zwei Wänden, dekoriert mit Geschirr des berühmten Emile Gallé aus Nancy um 1870. Es wurde zur Hochzeit von Fürst Louis jüngstem Sohn Alexander mit Comtesse Yvonne de Blacas entworfen. Als Fayence ist es für den häufigen Gebrauch zu empfindlich. So wird es nur noch zu ganz besonderen Anlässen eingesetzt.

32: Sankt Petersburg

In diesem Raum geht es noch einmal nach Russland. Sie treffen auf ein stark vergrößertes Bild einer Ballszene in Sankt Petersburg, gemalt von Adolf Ladurner. Es zeigt Zar Nikolaus I., Zarin Alexandra und Großfürst Michael sowie Feldmarschall Peter, seinen Sohn Louis und dessen erste Frau Stefanie.
„Anders als Nikolaus, war sein Bruder und Vorgänger Zar Alexander I. recht liberal und unserer Familie stets wohl gesonnen“, meint Fürst Alexander. „Wir zeigen ihn links neben der Vitrine, und rechts seinen General und Feldmarschall Peter Sayn-Wittgenstein, den Helden der Befreiungskriege gegen Napoleon und gefeierten ‚Retter von Sankt Petersburg‘.“

33: Von Ammen, Müttern und ihren Kindern

Über dem Vitrinenschrank zeigt ein Gemälde von Pierre Legrand die kleine Leonilla Bariatinskaja auf dem Schoß ihrer russischen Amme. Vielleicht trägt sie hier die Haube, die bis heute von Täuflingen der Fürstlichen Familie genutzt und in der Vitrine neben einem Taufkleid ausgestellt wird. Das reizende Bracelet vereinigt auf drei Medaillons Leonillas Sohn Friedrich gemeinsam mit Stefanies Kindern Peter und Marie.
Auf der nächsten Wand finden Sie ein großes Familiengemälde nach Horace Vernet. Es zeigt Leonilla zur Falkenjagd ausreitend, dahinter ihr Gemahl Louis, vor ihr der Stiefsohn Peter und links dessen Schwester Marie.
Selten für Porträts fürstlicher Familien findet man hier auch eine Gouvernante abgebildet, mit Friedrich, Leonillas Ältestem, auf dem Schoß. Ganz anders zeigt ein Aquarell von J. S. Otto wenige Jahre später Leonilla, die nun selbst ihre Tochter Antoinette auf dem Schoß trägt. Bei Antoinette, der späteren Fürstin Chigi-Albani in Rom und auf Schloss Ariccia, verbrachte Leonilla glückliche Jahre.
Leonillas Söhne bereiteten ihr weniger Freude. Friedrich heiratete nicht standesgemäß eine Schauspielerin, Bruder Ludwig die Schwester dazu. Als Alexander nach dem frühen Tod Yvonnes die Gouvernante ihrer Kinder heiratete, musste auch er auf Titel und Erbe verzichten.

34: Yvonne und Alexander

Vorbei an einem Abguss von Leonillas Fuß, ihrer Liebesgabe an Louis zum 2. Hochzeitstag, kommen wir zu deren jüngstem Sohn Alexander, dem Urgroßvater des heutigen Fürsten, und seiner reizenden Gemahlin Yvonne. Leider war ihnen kein langes gemeinsames Glück beschert. Die Tochter des Herzogs von Blacas d‘Aulps aus dem malerischen „Dornröschenschloss“ Ussé an der Loire verstarb mit gerade dreißig Jahren. „Der Maler Hugo Crola hat meine Urgroßmutter in dem Bild über der Vitrine sehr gut getroffen“, meint Fürst Alexander, „mein Lieblingsstück ist jedoch ihre Marmorbüste des Bildhauers Samuel Beer.“
Yvonne hinterließ einige Herbarien, in denen sie gepresste Blumen und vielerlei Souvenirs von ihren Reisen mit Alexander gesammelt hatte. In der Vitrine finden Sie Erinnerungen an die Goldene Hochzeit von Kaiser Wilhelm I. und Kaiserin Augusta im Berliner Stadtschloss sowie eine Einladung des französischen Präsidenten MacMahon in den Elysée-Palast.
Daneben finden sich Briefe Yvonnes an ihre geliebte Mutter, davon einer gleichzeitig in zwei Richtungen beschrieben um Papier zu sparen während des Deutsch-Französischen Kriegs. Welch ein Kontrast zu dem Glanz der Einladungen!

35: Alexanders Nachkommen

Nachdem Alexanders zweite Ehe nicht standesgemäß war, zog er sich als Graf von Hachenburg 1883 auf seine Schlösser im Westerwald zurück. Ein Pastell von Lambert zeigt ihn im Alter von knapp 70 Jahren. Wir verdanken ihm die „Saynsche Chronik“, viel Heimatliteratur, eine große Sammlung saynischer Münzen und Hunderte seiner Karikaturen aus einem bewegten Leben. Er starb 94jährig und fand seine letzte Ruhestätte in der Abtei Marienstatt bei Hachenburg, mit seinem in Stein gemeißelten Pekinesen Rila auf der Grabplatte.
Sein ältester Sohn Stanislaus musste nur 10jährig als 5. Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn das Sayner Erbe antreten. Als er 1958 kinderlos starb, folgte ihm sein Neffe Ludwig, Sohn von Prinz Gustav Alexander und Walburga Freiin von Friesen. „Sandy“, wie er genannt wurde, war Leonillas Lieblingsenkel. Sie kümmerte sich um ihn und förderte seine Ausbildung als Diplomat.
„Meine Großeltern hatten drei Söhne, von denen nur mein Vater Ludwig, genannt „Udi“, den letzten Krieg überlebte. Als auch er 1962 im Alter von 46 Jahren tragisch verunglückte, wurde ich mit 18 Jahren Chef des Sayner Hauses.“, erzählt Fürst Alexander.

36: Herrschaft und Dienerschaft

Doch gehen wir zurück zu Louis und seiner Familie nach Russland. Dort, auf den zahlreichen Besitztümern sorgte sich eine große Zahl von Menschen um das Wohlergehen der Familie. Das Verhältnis zwischen Herrschaft und Dienerschaft muss ein besonders herzliches gewesen sein. Bekannte Maler, die Louis und Stefanie, nach deren Tod auch Leonilla, porträtierten, erhielten gleichzeitig den Auftrag im „Downstairs“ zu wirken. So entstand ein ganz einmaliges Album mit Zeichnungen und Aquarellen der Dienerschaft.
Die meisten Zeichnungen stammen von Jan X. Kaniewski, der auch Louis Porträt in der Ahnengalerie schuf. Adolf Ladurner, der Meister der Petersburger Ballszene nebenan, malte einen alten Lakaien und Jakob Suter die Amme des ältesten Sohnes Peter. Daneben zeigt das Album die Gouvernanten und Kammerzofen, die Schneiderin und den Koch, den Kurier, Kutscher, Kolonisten, Kammerdiener, Musiker und Haushofmeister, und gleich zwei Mal unseren kleinwüchsigen Ossip.
Eine Zeichnung von Ossip fällt auf. Sie zeigt ihn in herrschaftlicher Pose, wie es sich für den Retter des „Retters von Sankt Petersburg“ gebührt. Er steht auf dem Bild vor dem Betrachter wie ein Zar! Kein Wunder, denn hier hat ihn George Dawe gezeichnet, der Maler des russischen Kaisers Alexander, dessen Porträt Sie gleich im Foyer neben dem Treppenhaus in gleicher Pose sehen werden.

37: Besuch der Preußischen Königsfamilie

Den Sommer verbrachte der Preußische König gerne auf dem von Karl Friedrich Schinkel aus Ruinen wieder erbauten Schloss Stolzenfels bei Koblenz. Unser Blick fällt auf ein Aquarell, das den Besuch der Königsfamilie auf der Terrasse von Schloss Sayn zeigt. Eine breite Freitreppe führte die Gäste vom Schlosspark hinauf zu der mit einer gusseisernen Balustrade umfassten Terrasse.
Franz X. Becker, ein Zeichner der Sayner Hütte, hat diesen Anlass im Bild festgehalten. Unter der Markise am Tisch sitzend können Sie neben den Gastgebern Louis und Leonilla den befreundeten König Friedrich Wilhelm IV. mit Königin Elisabeth sowie seinen Bruder Prinz Wilhelm, den späteren Kaiser, mit Gemahlin Augusta und der Prinzessin Louise entdecken. Zu der großen Entourage des Königs zählte auch der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck.

38: Fürstin Margarete von Thurn und Taxis, eine Dame mit vielerlei Talenten

Gleichzeitig künstlerisch talentiert wie naturverbunden war Fürstin Margarete von Thurn und Taxis, Erzherzogin von Österreich. Fürstin Gabriela erzählt: „Bereits als Jugendliche soll meine Urgroßmutter Margarete große Begabung in der Malkunst gezeigt haben. Deshalb ließ sie ihr Vater Erzherzog Joseph Carl von Österreich Malunterricht bei Olga Wisinger-Florian nehmen. 1903 veröffentlichte Margit, so signierte sie ihre Bilder, den „Atlas der Heilpflanzen des Praelaten Kneipp“ mit 186 farbigen Pflanzentafeln. Bis ins hohe Alter pflegte Fürstin Margarete trotz ihrer regelmäßigen Einsätze als OP-Schwester in der Regensburger Kinderklinik ihre Passion der Malerei weiter. Ich erinnere mich, dass ich als kleines Kind zu ihr ins Atelier durfte und staunte, was sie alles für Studienzwecke gesammelt hatte. Besonders faszinierte mich das mitten im Raum stehende Skelett eines Pferdes.“
Zu diesen naturkundlichen Sammlungen früherer Zeiten passt die Installation der Gläser mit dem türkisblauen Lackverschluss, in denen die mit dem Fürstenpaar befreundete Künstlerin Anja Schindler allerlei in der Natur Entdecktes in Öl konserviert.

39: Der Schlosspark, Kulturlandschaft mit Artenvielfalt

Die Wand gegenüber dem Königsbesuch informiert über die reiche Fauna und Flora der 10 Hektar großen Parkanlage, die sowohl die Ruinenlandschaft des Burgbergs als auch den Englischen Garten in der Ebene umfasst. Das aus Russland heimkehrende Fürstenpaar beschäftigte mit Karl-Friedrich Thelemann als Planer und Heinrich Siesmayer für die Ausführung zwei Könner ihres Fachs, die aus Feldern und Weingärten eine romantische Gartenlandschaft formten - mit dem neogotisierten Schloss als zentrales Element.
Oberhalb der Tafel erzählen Eichelhäher und Eichkätzchen sowie die Trophäe eines Auerhahns von 1890 vom Reichtum unserer heimischen Natur damals und heute.

40: Das Schmetterlingskabinett

Nicht nur Kinder werden an einer kleinen Forschungsstation ihre Freude haben. Zunächst kann man an einer Reihe von Riechfläschchen seinen Geruchssinn testen. Dabei wird man aufmerksam auf die Wichtigkeit des Riechens in der Natur, das gerade auch unseren Schmetterlingen hilft einen Partner zu finden. Gegenüber lassen sich Schmetterlinge durch die Lupe bewundern. Die winzigen Schuppen ihrer Flügel oder die filigranen Gliedmaßen begeistern den Betrachter.
Daneben entdecken Sie unter Glasglocken Faszinierendes aus der Welt unserer heimischen Schmetterlinge, zum Beispiel das Wandern Zehntausender Distelfalter im Frühjahr aus Afrika über die nördliche Halbkugel der Erde bis zu uns und weiter in den hohen Norden und im Spätsommer wieder zurück.

41: Die Schmetterlingsfürstin

Zum Sayner Schlosspark passend wird hier als Ruheplatz eine Garnitur gusseiserner Gartenmöbel angeboten, so wie sie von Karl Friedrich Schinkel entworfen und in der Sayner Hütte hergestellt wurden. Darüber ein Ölgemälde des Düsseldorfer Künstlers Stephan Kaluza, das Fürstin Gabriela mit ihrem siebten Kind Prinz Christian Peter zeigt.
Die Gründerin des Gartens der Schmetterlinge ist hier umgeben von Aquarellen heimischer Falter und zeitgenössischen Darstellungen verschiedener Schmetterlingsmotive.
Zwischen den Fenstern befindet sich eine skurrile Skulptur des Künstlers Klemens Pompetzki. Sie zeigt die fürstliche Familie bei der „Rückkehr von der Jagd“.
Neben der Türe zum nächsten Raum sieht man eine Fotografie von Slim Aarons, der die junge Fürstin mit ihrem ältesten Sohn, Erbprinz Heinrich für Town & Country porträtierte. Daneben zwei Urkunden, die Fürst Louis‘ Verbundenheit zur Landwirtschaft und sein Interesse an der Tierwelt des Kölner Zoos bekunden.

42: Die Faszination des Motorsports auf Fürstin Marianne und ihre Familie

„Wenn wir schon im unteren Stockwerk ein Zimmer den Kindern gewidmet haben, dann sollten eigentlich auch die Väter auf ihre Kosten kommen. Aber nicht nur sie“, meint Fürst Alexander. „Alle sportbegeisterten Gäste werden hier ihren Spaß haben.
Die Fotos meiner Mutter stehen hier wieder im Mittelpunkt, und Sie werden erkennen, wie sportbegeistert sie war.
Auch wollen wir Ihnen Filme zeigen, zum Rennsport oder zum Leben meiner Mutter und unserer Familie. Nehmen Sie bitte auf der Tribüne Platz!“
Im Mittelpunkt des Interesses von „Mamarazza“ stand und steht auch heute noch der Automobilrennsport. Zusammen mit ihrem Mann verpasste sie kein Rennen auf dem nahen Nürburgring. Nach dem Krieg war das eine beliebte Attraktion. Die Tribünen waren überfüllt, und die wagemutigen Piloten der Rennautos waren die Helden. Faszinierend wirkten der ohrenbetäubende Krach und die Äther getränkte Luft aus riesigen Auspuffrohren.
Man war mitten drin. „Udi“ und „Manni“ kannten alle der damals den Sport dominierenden „gentlemen driver“. Sie durften während der Rennen mit an der Box stehen, Zeit nehmen, die auf den Einsatz wartenden Copiloten mit Stärkungen versorgen und bei Laune halten. Abends wurde dann oft mit allen gemeinsam in Sayn gefeiert.

43: Die Faszination steckt an

Fürst Alexander erzählt: „Wir Kinder durften häufig mit dabei sein. Hier neben der Vitrine sieht man mich am Bildrand, wie ich Jean Behra und seinen Porsche-Rennsportwagen bewundere. Gelegentlich nahmen die Fahrer uns Kinder nach den Rennen in ihren Autos mit auf dem Weg zurück nach Hause. Man kannte noch keine Geschwindigkeitsbegrenzung und die Serpentinen bei Virneburg, die hatten es in sich!
Auch ich war infiziert vom Rennsportfieber, was in mir den Wunsch weckte, es selbst zu probieren. Als Lokalmatador wurde ich in meinem Porsche 911 stolzer Dritter bei einem Bergrennen hier in Sayn. Es war der Tag unserer Verlobung, und ich musste meinem Schwiegervater gleich versprechen, es bei diesem einen Mal zu belassen.
Einmal fuhr ich - mit Genehmigung meiner Frau - noch ein Rennen, das Alfa-Celebrity-Race vor voller Kulisse in Hockenheim. Seitdem nur noch die Seifenkiste beim Burgen- und Parkfest im Schlosspark. Aber auch das war immer spannend!
Gerne dürfen Sie und Ihre Kinder für ein Erinnerungsfoto im roten Flitzer Platz nehmen!“

44: Pokale, Trinkgefäße und erlesene Weine

Den Pokal für das Bergrennen finden Sie zusammen mit dem Verlobungsfoto in der rechten Vitrine.
Auch eher ein „Männerthema“ sind die Getränke und Trinkgefäße, die dort gezeigt werden. Ganz oben ein 50 Jahre gelagerter Cognac, benannt nach Feldmarschall Peter, dem Helden von 1812, und hergestellt von Weinen des ehemaligen Weinguts der Familie in Kamenka. 1812 Flaschen wurden abgefüllt, zu 1812 Dollar werden sie verkauft. Sie sind nummeriert, Vladimir Putin bekam die Nummer 1, und Fürst Alexander die Nummer 2. Weiter unten ein Schnaps aus tropischen Früchten des königlichen Gartens in Thailand, hergestellt durch einen Neffen von Fürst Alexander, Maximilian Graf Coreth.
Links daneben erfährt man, dass in der nächsten Verwandtschaft auch weitere herausragende Getränke produziert werden, wie das Wallersteiner Bier aus der Familie des Enkels Prinz Johannes zu Oettingen-Wallerstein. Darunter findet man eine Kiste Sassicaia, den wohl bekanntesten Rotwein Italiens, von dem Weingut der Familie der Schwiegertochter Erbprinzessin Priscilla und des Schwiegersohns Stefano Graf Hunyady. Von ihm stammen auch Weine aus Ungarn und verschiedene Designer-Biere aus Italien. Daneben aus der Familie von Fürstin Gabriela köstliche Rieslingweine der Grafen von Schönborn aus dem Rheingau und Franken.

45: Rauchen, Trinken und Gentlemen beim Sport in Bildern von Fürstin Marianne

„Neben einem guten Tropfen gehört auch die Zigarre zum Attribut vieler Männer, allerdings zu den Zeiten meines Vaters deutlich mehr als heute. Man sieht ihn auf dem oberen Bild mit seinem Schwiegervater, seinem Schwager und dem Kronprinzen von Ägypten eine gute Havanna rauchen. Auch die Zigarette zwischen den Lippen des spanischen Kronprinzen Juan Carlos gehörte dazu, als er in Sayn einen Leuchter auf das Autodach von Fürst Metternich stellte.“
Die letzte Serie an Bildern in diesem Raum zeigt noch einmal, wie breit das sportliche Interesse von Fürstin Marianne war. Neben den Automobilsportlern Michael Schumacher, Niki Lauda sowie Jochen Maas, hier in Monte Carlo mit David Niven, sieht man auch den Golfer Jack Nicklaus und den jungen Tennishelden Boris Becker, eingerahmt von seinem Coach Jon Tiriac und Fürstin Gloria.

46: Die Gemälde im Oberen Foyer

Bevor Sie weiter zur Schlosskapelle gehen, können Sie noch einen Blick auf die Gemälde im Oberen Foyer werfen. Sie sehen auf der Wand oberhalb des Aufzugs rechts und links die Eltern von Feldmarschall Peter, den nach Russland gezogenen Graf Christian Ludwig und Gräfin Amalie Ludovika, geb. Gräfin Finck von Finckenstein. Sie war es, die nach der Geburt ihrer Tochter Amelie bei einer Feuersbrunst ums Leben kam.
In der Mitte das Porträt der von Ossip geretteten Amelie. Sie heiratete den Grafen Dorothéus Ludwig von Keller, einen Preußischen Minister und Diplomaten. Ihre Tochter Marie Wilhelmine wurde schließlich als Frau des Fürsten Iwan Iwanowitsch Bariatinsky die Mutter von Leonilla.
Das Porträt neben dem Fenster stellt den Zaren Alexander I. dar und ist von George Dawe gemalt. Es findet sich fast identisch in der Petersburger Eremitage und anderen Palästen Russlands, denn Dawe war der Hofmaler des Kaiserhauses. Das Bild der Fürstin Lieven im Wintergarten stammt übrigens auch von ihm, so wie die vorhin erwähnte Zeichnung des kleinwüchsigen Ossip.
„Die fürstliche Familie besteht mit mir seit 25 Generationen“, erzählt Fürst Alexander. „Für die Ahnengalerie im Treppenhaus versuchte der Maler Josef Miller vor 160 Jahren die Vorfahren möglichst realistisch darzustellen. Bereits 50 Jahre später mussten die Bilder wieder verkauft werden. Zum Glück konnte unser ältester Sohn Heinrich zwei Porträts zurückkaufen, die Sie hier sehen, die Grafen Johann von Sponheim und Engelbert von Sayn aus dem 13. Jahrhundert.“
Jetzt führt Sie der Weg noch einmal über den Steg im Treppenhaus durch den Wintergarten zur Schlosskapelle.

47: Graf Heinrich der Große von Sayn und die Verwandtschaft zur Hl. Elisabeth

Am Eingang zur Schlosskapelle soll Ihnen noch einmal Graf Heinrich III. von Sayn vorgestellt werden. Man nannte ihn „den Großen", nicht nur wegen seiner riesenhaften Gestalt von nachweislich über 210 cm Größe, sondern weil er im 13. Jh. zu den mächtigsten Regenten der Rheinlande zählte. Durch die Ehe mit Gräfin Mechthild von Meißen-Landsberg gehörte das Sayner Grafenpaar zu den nächsten Verwandten der Hl. Elisabeth von Thüringen. Als Elisabeth verwitwete und sich zu einem Leben in Armut entschloss, kam ihre Tochter Sophie nach Sayn. Die spätere Herzogin von Brabant nannte Heinrich den "lebe Vader myn", wie in einem Klagelied zu seinem Tod überliefert.
Mit Heinrichs Tod 1246 starben die älteren Grafen von Sayn aus. Titel, Namen und Herrschaft übernahmen die Nachkommen von Heinrichs Schwester Adelheid, die mit Graf Gottfried von Sponheim verheiratet war. So sind die Sayn-Wittgensteiner heute im Mannesstamm Nachkommen der Grafen von Sponheim.

48: Das Rosenwunder

Jetzt stehen Sie im Vorraum der Kapelle vor einem Gemälde der Heiligen Elisabeth nach Franz Ittenbach. Es stellt das Rosenwunder dar, wie sich Brot zu Rosen wandelte, als Elisabeth es heimlich aus der Wartburg zu den Armen bringen wollte.
Das dreiteilige Glasfenster daneben, geschaffen von Joseph Settegast, weist mit den Initialen „LW" und dem Allianz-Wappen „Bariatinsky und Sayn-Wittgenstein " auf das Stifterpaar der Kapelle hin, auf Fürstin Leonilla und Fürst Louis.
Der Blick öffnet sich auf den polychrom gestalteten, neogotischen Kirchenraum mit seinem tiefblauen Sternenhimmel. Die 1861 von dem Koblenzer Baumeister Hermann Nebel geschaffenen Doppelkapelle ist eine Nachempfindung der Sainte Chapelle in Paris.

49: Schlosskapelle und das Armreliquiar der Hl. Elisabeth

Im Chor des oberen Kirchenraums zeigen Glasfenster von Moritz von Schwind die russische heilige Leonilla und den heiligen König Ludwig von Frankreich. Sie waren im Krieg bis auf die Darstellung der Madonna mit Jesuskind im obenliegenden Medaillon zerstört und nach den vorliegenden Entwürfen des großen Malers erneut angefertigt worden.
Die Madonna aus weißem Marmor trägt einen goldenen Sternenkranz mit den Initialen der Kinder und Enkelkinder des Fürstenpaares. Im Wandbehang wechseln sich der Sayner Löwe mit dem
russischen Adler und dem Erzengel Michael aus dem Wappen der Fürsten Bariatinsky ab. Die gusseiserne Chorschranke aus der Sayner Hütte weist mit ihren Initialen auf die Stifter des Bauwerks hin, und schließlich zeigen die Emaille-Rosetten in der Mensa des „Goldenen Altars“
zwei Heilige aus den Familien des Fürstenpaares, links Wladimir aus Leonillas und rechts, aus Louis‘ Ahnenschaft, Jutta von Sponheim, die Erzieherin der Hildegard von Bingen.
Anlass für den Bau dieses reizvollen Gotteshauses finden Sie in der zentralen Vitrine: das Armreliquiar der Hl. Elisabeth, ein Meisterwerk rheinischer Goldschmiedekunst des 13. Jahrhunderts. Als Fürstin Leonilla 1848 bei dem Erwerb des Schlosses erwähnte, dass sie eine direkte Nachkommin der Heiligen sei, ließ der Verkäufer Graf Clemens Boos von Waldeck sie wissen, dass sich in seinem Besitz diese kostbare Reliquie befände, die bis zur Säkularisierung im Kloster Altenberg a. d. Lahn, wohin sie Elisabeths Tochter Gertrud gebracht hatte, aufbewahrt war.
Graf Boos schenkte sie der Fürstin.

50: Von der Krypta auf ein Wiedersehen

Bevor Sie auf dem Weg zum Museum-Shop die Tour beenden, kommen Sie einen Stock tiefer zur Krypta der Schlosskapelle. Dort befindet sich die Grablege der Familie. Vorbei geht es an einer Sammlung von Lithografien berühmter Renaissance-Gemälde, die Fürst Louis um 1830 in Auftrag gegeben hatte.
Die Keramikskulptur der Schutzmantelmadonna am Eingang zur Krypta stammt von dem Künstler Heinz-Theo Degen. Sie zeigt Fürst Alexander und seine Geschwister Yvonne, Elisabeth, Teresa und Peter.
In der Krypta befindet sich ein mittelalterliches Sandsteinrelief an dem Sarkophag der Fürstin Leonilla, das die Grablegung Mariens zeigt, von besonderer Bedeutung. In zwei weiteren Sarkophagen ruhen ihr Ehemann Fürst Louis und ihre Schwiegertochter Fürstin Yvonne.
Zum Schluss hören Sie noch einmal Fürst Alexander:
„Meine Frau und ich hoffen sehr, dass Ihnen die Führung durch unser Neues Museum Freude gemacht und Ihr Interesse geweckt hat, bald wieder zu kommen.
Verbinden Sie Ihren Aufenthalt neben einem Besuch des Gartens der Schmetterlinge im Fürstlichen Schlosspark auch mit den vielfältigen anderen Sehenswürdigkeiten des Kulturparks Sayn.
Unser Sayn ist immer eine Reise wert!“

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